Knuth Rüffer

Japan hat seit 2010 systematisch versucht, seine Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden zu reduzieren. Über 15 Jahre Strategie, staatliche Investitionen, internationale Partnerschaften. 2024 war Japan noch immer der weltgrößte Importeur chinesischer Seltener Erden.

Beim G7-Gipfel in Évian haben die sieben Industrienationen ein klares Ziel vereinbart: Die Abhängigkeit von einem einzelnen Nicht-G7-Lieferanten für Seltene Erden und Permanentmagnete bis 2030 auf unter 60 Prozent senken. China kontrolliert heute über 90 Prozent der globalen Raffineriekapazität für Seltene Erden und 93 Prozent der weltweiten Permanentmagneten-Produktion. Diese Materialien stecken in Elektromotoren, Windturbinen, Rüstungssystemen und zunehmend in der KI-Infrastruktur.

195 Projekte, die seit Jahresbeginn angekündigt wurden, mit €64 Milliarden Investitionsvolumen, zeigen, dass westliche Regierungen den Handlungsdruck verstanden haben. Aber das Japan-Beispiel sollte zur Nüchternheit mahnen: Selbst das Land, das seit über 15 Jahren konsequenter als jeder andere versucht das Risiko zu minimieren, hat bei der Raffinerie-Abhängigkeit kaum Fortschritte gemacht.

Der Grund liegt nicht im Bergbau. Seltene Erden existieren auf allen Kontinenten. Das Problem sitzt im Midstream. In der chemischen Aufbereitung und Raffinierung. Dieser Teil der Wertschöpfungskette erfordert jahrzehntelange Prozesserfahrung, spezialisiertes Fachwissen und Umweltgenehmigungen, gegen die in westlichen Ländern regelmäßig geklagt wird. China hat diese Kapazität über Jahrzehnte staatlich aufgebaut und nutzt sie seit 2025 aktiv als geopolitisches Druckmittel durch Exportkontrollen auf Permanentmagnete.

Was mich dabei beschäftigt: Die öffentliche Debatte über Technologiesouveränität dreht sich fast ausschließlich um Software, Modelle und Regulierungsrahmen. Dabei entscheidet sie sich in der physischen Produktionsbasis, bei Magneten für Windturbinen und Elektromotoren, bei Spezialmetallen für Halbleiterfertigung, bei kritischen Vorprodukten für Batteriezellen.

Das Évian-Abkommen ist ein richtiger Schritt. Die eigentliche Nagelprobe kommt danach: ob der Westen die nötige physische Infrastruktur tatsächlich genehmigt, finanziert und baut, oder ob wir 2030 über das nächste ambitionierte Ziel diskutieren.

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