Ein aktueller Bericht der britischen Regierung (Government Digital Sustainability Alliance) hat die Zahlen neu zusammengefasst: Der globale Wasserverbrauch durch KI-Systeme könnte bis 2027 zwischen 4,2 und 6,6 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreichen – das entspricht etwa der Hälfte des gesamten jährlichen Wasserverbrauchs Großbritanniens oder dem Vier- bis Sechsfachen des Jahresverbrauchs von Dänemark. Ein einziges Hyperscale-Rechenzentrum verbraucht bis zu 2,5 Milliarden Liter – genug Wasser für die Versorgung von 80.000 Menschen.
Die europäische KI-Debatte dreht sich um Chips, Energie, Regulierung und Souveränität. Das ist alles legitim. Aber Wasser kommt praktisch nicht vor.
Das ist ein struktureller Denkfehler.
Denn Wasser funktioniert nicht wie Strom. Energie lässt sich importieren, speichern, durch andere Quellen substituieren. Bei Netzausfall gibt es Notgeneratoren. Wasser nicht. Es gibt kein Wasseräquivalent zum Diesel-Aggregat – Kühlwasser kann man nicht digitalisieren und nicht aus einem anderen Land per Leitung beziehen.
Gleichzeitig baut Europa gerade Rechenzentren in Regionen, die schon heute als „seriously water stressed“ eingestuft werden. Wasserverfügbarkeit variiert stark nach Saison, Klimaregion und politischem Kontext. Rechenzentren, die heute ihren Standort nach Energiepreisen oder Förderprogrammen aussuchen, könnten in zehn Jahren in direkte Nutzungskonflikte mit Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Kommunen geraten.
Weniger als ein Drittel der Rechenzentrumsbetreiber erfasst heute aktiv den eigenen Wasserverbrauch. Die Branche baut Infrastruktur für die nächsten zwanzig Jahre, ohne die Ressourcenbasis zu kennen, von der diese Infrastruktur abhängt.
Für die europäische KI-Strategie bedeutet das: Souveränität endet nicht bei Chips und Rechenzentren. Sie schließt die physische Verfügbarkeit von Wasser und Energie ein – langfristig, regional und unter Klimabedingungen, die sich verschlechtern. Wer heute KI-Infrastruktur plant oder reguliert, sollte Wasserverfügbarkeit als systemischen Standortfaktor behandeln, nicht als Fußnote.